Offene Bauweise und modernste Sicherheit
Der 2035 Meter lange Tunnel verläuft vom Ostbahnhof bis zum nordwestlichen Ende des Bürgerparks. Dass die Nordostumgehung dort in einem Tunnel verläuft, stand nicht von vornherein fest. Der Planungsausschuss hat die Trasse auf Wunsch vieler Darmstädter größtenteils in einen Tunnel gelegt. Denn die lange Tunnelstrecke ist das wirksamste Mittel gegen den Verkehrslärm.
Gebaut wird der Tunnel in sogenannter „offener Bauweise”. Tunnel in offener Bauweise werden in einer offenen Baugrube errichtet und nach der Fertigstellung mit Erde überdeckt. Boden, Wände und Decke haben in dieser Bauweise fast immer ein Kastenprofil.
In Deutschland ist seit 2006 mit den „Richtlinien für die Ausstattung und den Betrieb von Straßentunnel” (RABT) eine der fortschrittlichsten und schärfsten Regelwerke in Europa in Kraft. Auch der Tunnel der Nordostumgehung wird nach diesen Richtlinien gebaut und betrieben.
Sicher ist sicher
Insgesamt werden sieben Notausgänge im Abstand von maximal 300 Metern eingerichtet, die Notausgänge sind an der Oberfläche für Rettungskräfte direkt anfahrbar. Im Tunnel selbst sorgen Notgehwege beidseits der Fahrbahn, Notrufstationen im Abstand von 150 Metern sowie drei Pannenbuchten je Fahrtrichtung im Abstand von weniger als 600 Metern für zusätzliche Sicherheit. Der Tunnel wird mit einer Videoüberwachungsanlage sowie automatischen und manuellen Brandmeldeeinrichtungen sowie Löscheinrichtungen ausgestattet. Neben Lichtsignalen sorgen Sperrschranken an den Tunnelportalen dafür, dass dieser bei einer Tunnelsperre nicht mehr eingefahren werden kann.
Wie funktioniert der Abluftkamin?
In dem rund 430 Meter langen Citytunnel funktioniert es allein durch den Fahrtwind der Fahrzeuge - doch dafür ist der Tunnel der Nordostumgehung mit seinen 2.035 Metern zu lang: Um genügend Frischluft hinein zu bekommen, müssen deshalb spezielle Ventilatoren eingebaut werden, wie man sie zum Beispiel auch aus dem Saukopftunnel bei Weinheim kennt. Diese Lösung wiederum benötigt einen Kamin, aus dem die Abluft zentral wieder hinaus geblasen werden kann.
Die Stadt setzt natürlich auf die neuste Technologie: 14 Ventilatoren saugen im Tunnel Frischluft und Autoabgase an und transportieren sie in die unterirdisch untergebrachte Lüftungsanlage im Technikgebäude, das neben dem Fohlenhof entsteht. Von dort wird die Luft mit einer Geschwindigkeit von 15 Meter pro Sekunde, das entspricht 54 km/h, über einen zehn Meter hohen Kamin ausgestoßen. Dort vermischt sich die Abluft mit der Außenluft. Da die Abluft ausgeblasen wird, wird sie auch bei Inversionswetterlagen nicht nach unten auf den Boden gedrückt - im Unterschied zu Hauskaminen, bei denen das immer wieder passiert.
Unabhängige, durch die hessischen Umweltbehörden geprüfte Luftschadstoff-Gutachten zeigen, dass die Werte direkt neben dem Kamin und in dessen Nachbarschaft - selbst in den obersten Stockwerken der siebengeschossigen Wohnhäusern in der Nähe - im Vergleich zu heute nahezu unverändert bleiben. Die Schadstoffkonzentration für Feinstaub (PM10) und Stickstoffdioxid (NO2) - und daraus setzen sich Autoabgase heute maßgeblich zusammen - bleiben in der Kranichsteiner Straße deutlich unter den Grenzwerten. Durch Messungen im Kaminumfeld wird die Entwicklung der Luftqualität vor und nach dem Bau beobachtet - transparent für Bürger und Anwohner.

